Lukas 22

66 Bei Tagesanbruch kamen die Mitglieder des Hohen Rates zusammen: die führenden Männer des Volkes, die obersten Priester und die Schriftgelehrten. Sie ließen Jesus vorführen
67 und forderten ihn auf: »Wenn du der Christus bist, der von Gott erwählte Retter, dann sag es uns!« Er erwiderte: »Wenn ich es euch sage, werdet ihr mir nicht glauben,
68 und wenn ich euch etwas frage, dann werdet ihr keine Antwort geben.
69 Doch von nun an wird der Menschensohn an der rechten Seite des allmächtigen Gottes sitzen.«
70 Empört schrien alle: »Willst du damit etwa sagen, dass du der Sohn Gottes bist?« Jesus antwortete: »Ihr habt recht, ich bin es!«
71 »Wozu brauchen wir da noch weitere Zeugen?«, riefen jetzt die Ankläger einstimmig. »Wir haben die Gotteslästerung doch aus seinem Mund gehört!«

Bei dieser ganzen Geschichte, wie Jesus gefangen genommen wird und letzten Endes zum Tod am Kreuz verurteilt, haben die Priester, Schriftgelehrten, der Hohe Rat gegen so viele ihrer eigenen Gesetze übertreten. Laut ihrer eigenen Gesetze durften sie Jesus niemals töten.

Eigentlich musste einer nach dem anderen sein Urteil abgeben. Vom Jüngsten bis zum Ältesten, damit die Jüngeren und noch nicht so Erfahrenen des Sanhedrins (Hohe Rat) nicht von den Urteilen der Älteren beeinflusst wurden. Und falls alle für den Tod des Angeklagten stimmten, durfte er nicht hingerichtet werden. Dabei ging es darum eine Verschwörung so schwierig wie möglich zu gestalten.

71 »Wozu brauchen wir da noch weitere Zeugen?«, riefen jetzt die Ankläger einstimmig. »Wir haben die Gotteslästerung doch aus seinem Mund gehört!«

Es passt vorne und hinten nicht. Gar nichts passt zusammen. Der Prozess läuft ebenfalls so extrem gesetzeswidrig ab. Eigentlich hätten viele Männer dieser Führungselite dagegen aufstehen müssen, aber ich glaube, die die das nicht gut fanden, hatten Angst vor den Anderen. Und die, die Jesus tot sehen wollten, hatten Angst um ihre Macht und wollten alles schnell hinter sich bringen.

Es ist extrem, was Angst bewirkt. Man schaut bei Unrecht weg, oder beugt genau wegen dieser Angst das Recht. Aber das ist keine zwingende Folge von Angst. Selbst Jesus hatte Angst:

41 Er entfernte sich ein kleines Stück von ihnen, kniete nieder
42 und betete: »Vater, wenn es dein Wille ist, dann lass diesen bitteren Kelch des Leidens an mir vorübergehen. Aber nicht was ich will, sondern was du willst, soll geschehen.«
43 Da erschien ein Engel vom Himmel und gab ihm neue Kraft.
44 Jesus litt Todesängste und betete so eindringlich, dass sein Schweiß wie Blut auf die Erde tropfte.

Auch ich habe Angst und Du hast auch Angst. Die Frage ist, wie gehe ich damit um. Jesus brachte sie zu seinem Vater. Und er bekam neue Kraft. Das gleiche dürfen wir auch tun.

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